Serielles Bauen und Modernisieren: Branche fordert klare Regeln für den Rollout

Beim Fach-Forum „Serielles Bauen und Modernisieren“ von Neues Bauen – 80 Sekunden und Vonovia/BUWOG wurde deutlich: Serielles Bauen ist längst kein Nischenthema mehr. Mehr als 100 Experten aus Wohnungswirtschaft, Bau, Technologie, Wissenschaft und Politik diskutierten in Berlin darüber, wie serielle Verfahren schneller in die breite Anwendung gebracht werden können. Im Mittelpunkt standen drei zentrale Hebel: die Anerkennung von Typengenehmigungen mit Abweichungen, standardisierte digitale Schnittstellen und eine neue Förderlogik.

Die Diskussion zeigte klar: Nicht die technische Machbarkeit ist heute das Hauptproblem, sondern die Frage, unter welchen politischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Bedingungen serielles Bauen und Modernisieren zum Standard werden kann. Im Polit-Panel mit Dr. Jan-Marco Luczak MdB und Hendrik Bollmann MdB wurde deutlich, dass der politische Wille grundsätzlich vorhanden ist – gestritten wird weniger über das Ziel als über die passenden Instrumente.
Auch inhaltlich war das Forum klar positioniert. Serielles Bauen bietet erhebliche Potenziale: hohe Vorfertigungsgrade, kürzere Bauzeiten, weniger Mängel, geringere Baukosten und eine bessere CO₂-Bilanz. Gleichzeitig wurde betont, dass es für den breiten Rollout ein Umdenken braucht – in Genehmigung, Förderung und Umsetzung. Luka Mucic, Vorstandsvorsitzender von Vonovia, machte deutlich, dass serielles Bauen und Modernisieren ein zentraler Baustein für bezahlbaren Wohnraum und das Erreichen der Klimaziele ist. Eva Weiß, Geschäftsführerin der BUWOG Bauträger GmbH, verwies darauf, dass neue Spielräume wie der Gebäudetyp E nur dann Wirkung entfalten, wenn sie in der Praxis konsequent genutzt werden. Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen – 80 Sekunden, brachte es auf den Punkt: Die entscheidende Veränderung sei nicht technologisch, sondern vor allem mental.

Konkrete Impulse kamen auch aus Wissenschaft, Industrie und Förderung. Philipp Erler von Gropyus plädierte für produktbasiertes Bauen und mehr Wiederholung, Prof. Dr. Katharina Kleinschrot von der TU Dresden forderte serientaugliche Verfahren statt Einzelfalllösungen, und Dr. Tillessen von der KfW sprach sich für fördernde Strukturen statt klassischer Einzelfallförderung aus. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen verdichteten sich schließlich zu drei konkreten Forderungen an Politik und Förderinstitutionen, die in Kürze veröffentlicht werden sollen.
Bereits am Vortag hatte das Fach-Forum mit einem Baustellenbesuch in der Berliner Schlichtallee einen praktischen Auftakt: Dort erhielten die Teilnehmer Einblicke in das derzeit größte Neubauprojekt von Vonovia in seriell-modularer Holzbauweise mit 158 Wohnungen, dessen Fertigstellung für Frühjahr 2027 geplant ist. Damit wurde nicht nur diskutiert, was möglich ist – sondern direkt vor Ort gezeigt, wie serielles Bauen schon heute skaliert werden kann.

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